Zur Geschichte des Hauses

Eine Institution am Kreuzberger Oranienplatz

Im Jahre 1866 gründete Conrad Kaiser seine Firma Kuchen-Kaiser am Oranienplatz in Kreuzberg, wo sie sich n och heute befindet.

In dem Haus, das extra für diesen Zweck errichtet wurde, befanden sich die Konditorei, das Cafe und die Backstuben. Die Angestellten des Conrad Kaiser, zeitweilig über 100 Personen, wohnten auch in dem Haus. Kuchen-Kaiser besaß die erste Eingangsdrehtüre in Berlin, aus der so mancher Kunde vom Personal befreit werden musste.


"Oranienplatz - Kreuzberg"


1890 übernahm Eugen Fluß die Firma und baute sie weiter aus. Für den Stadttransport führte er Dreiradfahrräder mit Koffer-aufbau ein, die bald eine bekannte Erscheinung im Stadtgebiet wurden.

1900 kaufte man speziell für diesen Zweck den ersten speziell gestalteten Motorlieferwagen, der allerdings beim Anlassen vor dem Haus explodierte.

Als 1905 die Oranienbrücke über den damals noch bestehenden Luisenstädtischen Kanal gebaut wurde, scheute Eugen Fluß keine Finanziellen Opfer, um die Brücke in Sandstein ausführen zu lassen. So sorgte er dafür, dass die Umgebung seines Geschäftes ein würdiges Aussehen bekam.


"Dichter, Denker, Komponist und Skat"


Der Kuchen vom Kuchen-Kaiser war schon damals eine berühmte Köstlichkeit, die auch Berliner Dichter und Denker wie Otto Reuter oder Max Kretzer inspirierten den Betrieb und den Kuchen in ihren Werken zu erwähnen. Einer der berühmten Stammgäste war der Komponist Paul Lincke, der in der Oranienstraße wohnte und im Kuchen-Kaiser regelmäßig Skat spielte.

Im ersten Weltkrieg wurde die gesamte Kuchen-Kaiser Automobil otte mit ihren Kastenaufbauten als Sanitäts- wagen an der Westfront mit den dazugehörigen Fahrern eingesetzt.

Nach dem Tod von Eugen Fluß übernahm sein Sohn Günther Fluß die Firma und baute den Köstlichkeiten Export weiter aus. Selbst im Luftschiff, der „LZ 129 Hindenburg" wurde Kuchen vom Kuchen-Kaiser für den Verzehr unterwegs mitgeführt. Gelegentlich wurde auch Kuchen ins Reichsaußenministerium geliefert. Die Geschäftsbeziehungen wurden aber jäh unterbrochen, als zu Silvester zwei Pfannkuchen Lieferungen verwechselt wurden und die Gäste des Reichsaußenministers in Senfpfannkuchen bissen.


"Selbst ins Reichsaußenministerium geliefert"


Nach dem II. Weltkrieg kam das Unternehmen durch Kriegsschäden, Plünderungen, und die nun nahe Sektorengrenze nicht mehr richtig auf die Beine, so dass 1957 die Firma nach einem Vergleich schließen musste.

Im Juni 1998 gründete sich die Kuchen-Kaiser GbR und eröffnete an historischer Stelle ein Restaurant und Cafe, welches nun wieder den Traditionsnamen Kuchen-Kaiser trägt.